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03.04.2018 | IREHA | Klinikprojekte | Berolina Klinik

Depression

Depressionen (depressive Störungen) und chronische Angst (Angststörungen) sind die beiden in Deutschland vorwiegenden und in der psychosomatischen Rehabilitation mit Abstand am häufigsten behandelten psychischen Störungen [1, 2]; Suchtstörungen werden in diesem Zusammenhang außer Acht gelassen. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland belegte 2012 die beträchtliche Prävalenz depressiver Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Ca. 9 % aller Erwachsenen in Deutschland sind schätzungsweise im Verlauf eines Jahres irgendwann einmal von einer Depression inkl. bipolarer Störungen betroffen [3]. Die 12-Monats-Prävalenz für alle Angststörungen einschließlich Phobien liegt bei 15 % und damit noch höher [4]. Nur Störungen durch Substanzmissbrauch (vor allem Alkohol) kommen bei ähnlich vielen Menschen vor; diese Störungen werden in akuter Form allerdings nicht in psychosomatischen Kliniken behandelt.

Die sozialmedizinische Bedeutung psychischer Störungen und ihre ökonomischen Auswirkungen nehmen seit vielen Jahren kontinuierlich zu. Zwischen 1997 und 2016 stiegen in Deutschland die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer und psychosomatischer Erkrankungen um 230 % [5]. Im Jahr 2012 rückten sie in ihrer Bedeutung für den Krankenstand erstmals an zweite Stelle hinter die Muskel-Skelett-Erkrankungen, um dann im Jahr 2016 ein neues Rekordniveau von 17,1 % aller krankheitsbedingten Ausfalltage zu erreichen [5]. Die Zahl der stationären Rehabilitationsmaßnahmen für psychische und psychosomatische Erkrankungen in Rehabilitationseinrichtungen mit mehr als 100 Betten ist in diesen Jahren ebenfalls entsprechend angestiegen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund gab für die Jahre 2000 bis 2015 eine Steigerung der durchgeführten Maßnahmen um 180 % bei affektiven Störungen wie Depressionen und eine Steigerung um 17 % bei neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen bei gleichzeitiger Zunahme der ambulanten Leistungen für dieselben Indikationen an [1]. Den depressiven Erkrankungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, weil sie oft mit anderen Krankheiten einhergehen und zu einer besonders großen Zahl an Arbeitsunfähigkeitstagen führen [5].

Bei der Behandlung von Depressionen gilt als best practice eine Kombination aus Pharmakotherapie, Psychotherapie und weiteren Interventionen, z. B. Achtsamkeitstraining, nichtmedikamentöse somatische Therapieverfahren wie körperliches Training sowie Aufklärung und Selbstmanagement [6]. Die Behandlung von Depressionen in der Berolina Klinik folgt diesem in gültigen Leitlinien und den Therapiestandards der DRV Bund regelmäßig aktualisierten Standard [7]. Optimierungen unseres Behandlungsangebots finden immer wieder statt, zuletzt durch die im Jahr 2014 erfolgte Integration der Bewegungstherapie in das Therapiekonzept Depressive Störungen, wovon im IREHA-Rundbrief berichtet wurde.

http://www.berolinaklinik.de/ireha-fachportal/klinikprojekte/klinikprojekt/das-therapiekonzept-depressive-stoerungen-der-berolina-klinik-mit-der-neuen-integrierten-bewegungsth/

 


Literatur

[1] Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Diagnosedaten der Vorsorge- oder Rehaeinrichtungen mit mehr als 100 Betten. Verfügbar unter: http://www.gbe-bund.de (Pfad: Gesundheitsversorgung - Beschäftigte und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung - Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen).

[2] Jachertz N. Hohes Aufkommen, niedrige Behandlungsrate: Das Psychomodul des Deutschen Gesundheitssurveys fördert endlich zuverlässige Aussagen über Prävalenzen und die Versorgungswirklichkeit zutage. Deutsches Ärzteblatt 2013; 110: A269-A70.

[3] Busch MA, Maske UE, Ryl L, Schlack R, Hapke U. Prävalenz von depressiver Symptomatik und diagnostizierter Depression bei Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt 2013; 55: 733-9.

[4] Jacobi F, Hofler M, Strehle J, Mack S, Gerschler A, Scholl L et al. Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). Nervenarzt 2014; 85: 77-87.

[5] Rebscher H (Hrsg.). 2017. DAK-Gesundheitsreport 2017. Hamburg: DAK.

[6] DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression. 2015. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression - Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015. DOI: 10.6101/AZQ/000364. www.depression.versorgungsleitlinien.de.

[7] DRV Bund. 2011. Reha-Therapiestandards Depressive Störungen: Leitlinie für die medizinische Rehabilitation der Rentenversicherung. Berlin: DRV Bund.

 

 


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