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02.12.2019 | IREHA | Klinikprojekte

Das GUSI®-Training zur Gesundheitsförderung: Die erste Gruppe in der Berolina Klinik

Rolf Süllwold, Chefarzt Psychosomatik Berolina Klinik
Ablaufplan GUSI®-Training

Das Erwerbsleben weist durchaus gesundheitsfördernde Ressourcen auf: materielle und soziale Sicherheit, Identitätsbildung, soziale Anerkennung, Sinnstiftung und ein soziales Zugehörigkeitsgefühl (Schneider et al. 2011). Jedoch unterliegen Arbeit und Beruf einem Prozess ständigen Wandels und Berufstätige sehen sich oft vor erhebliche Anforderungen sowie physische und psychische Belastungen gestellt.

Die individuelle Bewältigung berufsbedingter Belastungen setzt das Vorhandensein von gesundheitserhaltenden Ressourcen in multiplen Lebensbereichen (wie Familie, Beruf, soziale Umwelt und Freizeit) sowie ein adäquates Gleichgewicht zwischen den Bereichen voraus. Um Berufstätige bei der Aufrechterhaltung dieser gesunden „Life-Work-Balance“ zu unterstützen, bietet die gesetzliche Rentenversicherung Trainingskurse an. Diese Angebote sind an Versicherte gerichtet, die durch belastende Arbeitsumstände und ggf. hinzukommende Belastungen aus ihrem sozialen Umfeld einem höheren gesundheitlichen Risiko unterliegen, aber noch keine klinischen Symptome einer psychischen Erkrankung haben.

Mit dem Ziel, genau dieser Gruppe zu helfen, wurde 2009 das Präventionsprogramm „Gesundheitsförderung und Selbstregulation durch individuelle Zielanalyse - GUSI®“ vom ärztlichen Direktor des Rehabilitationszentrums Bad Salzuflen, Dr. Dieter Olbrich, entwickelt (Olbrich & Ritter 2010, Olbrich 2015). Das Präventionsprogramm wurde nach positiver wissenschaftlicher Evaluation zum Regelangebot für Versicherte der DRV Bund und der DRV Westfalen.

Das Trainingsprogramm gliedert sich in fünf Phasen:

1.  Nach Kontaktaufnahme des Interessenten und individueller Terminabsprache findet eine dreistündige medizinische, berufsbezogene und psychosoziale Diagnostik in der Berolina Klinik statt.
2.  Das Programm startet in der Klinik mit einer Initialphase in der Gruppe. Die Gruppe wird durch den ärztlichen und psychologischen Dienst der Klinik geleitet. Diese Phase dauert drei ganze Tage (Donnerstag bis Samstag). In dieser Phase erhalten die Teilnehmenden das Zürcher-Ressourcen-Modell-Training zur Stärkung der persönlichen psychischen Ressourcen. Auch werden Achtsamkeitsübungen mit Entspannungsverfahren und Bewegungstherapien eingeführt und geübt.
3.  Es folgt die siebenwöchige Trainingsphase in der Klinik zur Verstetigung. Die Gruppe trifft sich einmal wöchentlich mittwochs für 2,5 Stunden und übt das, was sie in der Trainingsphase gelernt hat. Die Gruppenphase wird mit einem Abschlussabend beendet.
4.  Die Teilnehmer arbeiten individuell weiter und haben für circa fünf Monate einmal wöchentlich für 1,5 Stunden den Zugang zur Klinik zum Muskelaufbautraining.
5.  Das Programm endet mit einem eintägigen „Refresher“-Kurs in der Klinik zusammen mit der Gruppe. Erfolge und Hindernisse werden besprochen und Strategien zum langfristigen Erhalt der psychischen Gesundheit erarbeitet.
Der Programmverlauf ist in einem grafischen Überblick zusammengefasst, bitte klicken Sie auf unsere Bildergalerie.

Die Berolina Klinik bietet das GUSI®-Training seit diesem Jahr an. Unsere erste Gruppe startete im August und endete am 27. Oktober. Der „Refresher“ ist für Februar 2020 geplant. Die erste Gruppe bestand aus 13 Teilnehmern, 9 Männer und 4 Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 49 Jahre.

Der Start der nächsten GUSI®-Gruppe in der Berolina Klinik ist für den 30.01.2020 geplant. Bei Interesse nehmen potentielle Teilnehmer direkt mit der Berolina Klinik Kontakt auf (GUSI®-Ansprechpartnerin Karolin Gieschke, T. 05731-782480) und erhalten einen Termin zur Eingangsdiagnostik. Die Ärztin/der Arzt der Berolina Klinik erstellt den Präventionsbericht, der zusammen mit einem Antrag und dem Selbstauskunftsbogen bei der Rentenversicherung eingereicht wird. Nach Bewilligung durch die Rentenversicherung wird das Training in einer Gruppe von bis zu maximal 15 Teilnehmern durchgeführt. Die Trainingsphase beginnt erst bei ausreichender Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern.


Literatur

Olbrich D. (2015). Das Präventionsprogramm „Gesundheitsförderung und Selbstregulation durch individuelle Zielanalyse – GUSI®“ – ein Praxismodell für präventive Leistungen der Deutschen Rentenversicherung Bund und Westfalen. In: G. Schmid-Ott, S. Wiegand-Grefe, C. Jacobi, G. Paar, R. Meermann & F. Lamprecht (Hrsg.). Rehabilitation in der Psychosomatik – Versorgungsstrukturen, Behandlungsangebote, Qualitätsmanagement. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart: Schattauer Verlag. S. 34-46.

Olbrich D, Ritter J. (2010). Gesundheitsförderung und Selbstregulation durch individuelle Zielanalyse – GUSI®. Ein Modellprojekt zur Prävention der Deutschen Rentenversicherung Bund auf der Grundlage des Rahmenkonzepts Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern - Betsi®. Praktische Arbeitsmedizin 20: 33-35.

Schneider A, Horlein E, Wartner E, Schumann I, Henningsen P, Linde K. (2011). Unlimited access to health care: Impact of psychosomatic co-morbidity on utilisation in German general practices. BMC Family Practice. 12: 51.


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