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23.03.2016 | IREHA | Klinikprojekte

Berufsgenossenschaftliche Frührehabilitation für Berufskraftfahrer – stationäre Rehabilitation bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Ein Update.

Rolf Süllwold, Chefarzt Psychosomatik Berolina Klinik
Prof. Scott Stock Gissendanner, Wissenschaftler i. Ärztlichen Dienst Berolina Klinik

 

Seit Juli 2011 bietet die Berolina Klinik das Programm der berufsgenossenschaftlichen Frührehabilitation für Berufskraftfahrer bei Posttraumatischen Belastungsstörungen an. Ziel des Programms ist es, die Physis und die Psyche eines kürzlich schwer verunfallten Berufskraftfahrers bzw. einer Berufskraftfahrerin mittelfristig so wiederherzustellen, dass er oder sie die berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität soll nach einem traumatischen Ereignis während der Arbeitszeit möglichst schnell und auch dauerhaft wiedererlangt werden. Das Programm enthält besondere traumatherapeutische Elemente der Verhaltenstherapie, EMDR-Sitzungen (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) sowie ein individuelles und therapeutisch begleitetes Fahrtraining.

Eine Beschreibung der Hintergründe und des Behandlungsprogramms finden Sie hier.

Das Angebot befindet sich mittlerweile nicht mehr in der Pilotphase. Es gehört inzwischen zum festen Angebot der Berolina Klinik. In überschaubarer, aber beständiger Zahl sind Programmteilnehmer bei uns in Behandlung.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass das ursprüngliche Ziel einer Frührehabilitation noch nicht im angestrebten Umfang erreicht werden konnte. Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, die zur Behandlung zu uns kommen, sind in der Regel ähnlich lange krankgeschrieben wie unsere anderen Patienten auch. Das bringt allerdings in Bezug auf einen anderen Punkt auch einen entsprechenden Vorteil mit sich: Viele haben zu Hause schon mit einer Traumatherapie begonnen, diese Erfahrung wirkt sich in der Regel positiv auf die Therapiebereitschaft und die Effektivität der Therapie während der stationären Behandlung aus.

Die sozialmedizinische Kompetenz der Berolina Klinik mit der objektiven Leistungsbeurteilung der Patientinnen und Patienten hat sich als besonders wichtig herausgestellt. Durch das permanent von einem qualifizierten Psychotherapeuten begleitete Fahrtraining kann der Umfang der Arbeitsfähigkeit mit besonders hoher Kompetenz beurteilt werden. Das Fahrtraining findet immer in Kooperation mit einem professionellen Fahrlehrer statt. Die Fahrten in einem Lkw oder Pkw der Fahrschule werden somit immer zu dritt durchgeführt. In manchen Fällen reicht eine Fahrt bei Tag aus; andere Rehabilitandinnen und Rehabilitanden benötigen mehrere Fahrten, Nachtfahrten oder Langstreckenfahrten. Alle Varianten sind möglich. Die jeweilige Maßnahme erfolgt über die gesetzliche Unfallversicherung, die Kosten aller therapeutisch notwendigen Anwendungen werden dankenswert unkompliziert übernommen.

Unsere Behandlungserfahrung legt nahe, dass sich die Trauma-Ursachen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich voneinander unterscheiden: Frontalkollisionen, schwere Unfälle bei Nacht, ein räuberischer Überfall und andere traumatische Erlebnisse sind bisher vorgekommen. Somit steht jede Patientin und jeder Patient vor einer ganz individuellen Herausforderung mit unterschiedlichen Formen körperlicher und psychischer Belastungen. Jede Situation wird in der therapeutischen Behandlung gesondert berücksichtigt, um die richtige therapeutische Mischung zu finden.

Die Effektivität des Programms zeigt sich daran, dass die überwiegende Mehrheit der bisher behandelten Betroffenen erfolgreich im alten Beruf wiedereingegliedert worden ist. Ausnahmen kamen in der Regel dadurch zustande, dass eine körperliche Beeinträchtigung die Tätigkeit als Fahrerin oder Fahrer unmöglich machte.

"Wir sind froh, mit der Berolina Klinik einen zuverlässigen und kompetenten Ansprechpartner für unsere Versicherten aus dem ganzen Bundesgebiet gefunden zu haben", so Daniel Schaab, Rehabiliations-berater der Berufsgenossenschaft Verkehr Wiesbaden. "Unsere Versicherten, überwiegend Berufskraftfahrer und Fahrlehrer, haben durch die stationäre Rehabilitation mit begleitetem Fahrtraining regelmäßig den Weg zurück ins Berufsleben gefunden. Eine Quote von über 80 % erfolgreicher und nachhaltiger beruflicher Wiedereingliederungen in der bisherigen Tätigkeit, nach absolviertem stationärem Aufenthalt, spricht für die Berolina Klinik. Oftmals sind im Rahmen der ambulanten Psychotherapie die Vorbereitung und Durchführung von den niedergelassenen Psychotherapeuten zeitlich gar nicht leistbar, sodass wir unsere Versicherten bisher in den unterschiedlichsten Phasen der Rehabilitation in der Berolina Klinik vorstellen und durch die individuelle und ganzheitliche Behandlung erfolgreich rehabilitieren konnten." 


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