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28.03.2017 | IREHA | Klinikprojekte

Selbsthilfe - ein starkes Netz in Deutschland

Iris Busse, Selbsthilfe-Kontaktstelle Kreis Minden-Lübbecke und Paritätisches Selbsthilfe-Büro Herford

In Deutschland gibt es mittlerweile knapp 100.000 Selbsthilfegruppen. Sie entstehen auf eigene Initiative und zu allen erdenklichen Themen und Problemen von A wie Angst über E wie Essstörungen und K wie Krebs bis hin zu Z wie Zöliakie.
Das besondere Merkmal von Selbsthilfegruppen (SHG) ist, dass sich hier Menschen mit ähnlichen Krankheiten, Behinderungen oder (psycho-)sozialen Anliegen freiwillig zusammenschließen, um ihr Leben in die „eigenen Hände“ zu nehmen und mit den persönlichen Belastungen im Alltag besser leben zu lernen.
Auch oder insbesondere Menschen, die gerade eine stationäre Reha-Maßnahme oder ambulante Psychotherapie absolviert haben, beschäftigen sich mit Fragen wie:
Wie geht es danach weiter? Was wird sich für mich ändern? Werde ich den Anforderungen in Alltag, Beruf und Familie standhalten? Was kann ich selbst ändern? Wie geht es den anderen damit?
Diese und andere Fragen sind oft Thema in den SHG. Hier können Betroffene und/oder Angehörige in einem geschützten und vertraulichen Rahmen persönliche Erfahrungen und Informationen austauschen und praktische Lebenshilfe sowie gegenseitige emotionale Unterstützung und Motivation unter Gleichgesinnten erhalten – ganz nach dem Motto:
„Ich helfe mir selbst durch die Hilfe meiner Gruppe!“
In den Gruppen werden neue Perspektiven entwickelt, die individuelle Lebensqualität wird gefördert. Bei manch einem trägt die SHG nicht selten auch dazu bei, wieder Lebensfreude zu gewinnen und aus der eigenen Isolation herauszutreten. Durch die vielfältigen Gespräche, aber auch immer wieder organisierte Experteninformationen von außen werden die Mitglieder zu selbstbewussten, mündigen Patient(inn)en und Experten in eigener Sache.
Zitat eines Gruppensprechers: „Ihr Arzt sorgt für eine gute Therapie, aber Hilfe und Unterstützung für den Alltag bekommen Sie bei uns in der Selbsthilfegruppe!“
Die Gruppen werden dabei in den verschiedenen Kreisgebieten vor Ort von Selbsthilfe-Kontaktstellen und -Büros unterstützt. Aufgabe dieser Unterstützungsstellen ist es, ein selbsthilfefreundliches Klima zu schaffen, in dem Selbsthilfegruppen gut arbeiten können und in dem Interessierte einfach und schnell Informationen über Selbsthilfemöglichkeiten und andere Hilfeangebote erhalten. Eine Datenbank aller Selbsthilfeaktivitäten dient als Grundlage für die Vermittlung interessierter Bürgerinnen und Bürger in die örtlichen Selbsthilfegruppen. In persönlichen Gesprächen werden bei Bedarf darüber hinausgehende, professionelle Hilfeangebote aufgezeigt. Für Menschen, für die vor Ort kein passendes Angebot vorhanden ist, besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit der Selbsthilfe-Unterstützungsstelle eine neue Gruppe zu gründen. „Wir helfen dann bei der Öffentlichkeitsarbeit und klären infrastrukturelle Fragen. Auch können wir an vielen Standorten ehrenamtliche, speziell geschulte ‘In-Gang-Setzer‘ einsetzen, die die Gruppe eine Zeit lang begleiten“, berichtet eine Mitarbeiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke.

In den Selbsthilfe-Kontaktstellen und -Büros sind Fachkräfte aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich tätig. Ihre Aufgabe ist es, die vor Ort bestehenden Selbsthilfegruppen strukturell sowie methodisch zu unterstützen - sei es bei der Gruppenarbeit, der Öffentlichkeitsarbeit oder auch bei organisatorischen Fragen. Die Selbsthilfegruppen werden untereinander und mit entsprechenden Profis in der Region vernetzt. Zudem werden ihnen regelmäßige Fortbildungen und Info-Veranstaltungen angeboten. „Wir bringen Menschen gut miteinander ins Gespräch und suchen bei Bedarf themenspezifische Referenten für die Gruppen. Grundsätzlich orientieren wir uns hierbei an den Bedürfnissen der Gruppenmitglieder“, so die Kontaktstellen-Mitarbeiterin.

„Inzwischen gibt es, neben der Berolina Klinik Löhne /Bad Oeynhausen, viele weitere Gesundheitseinrichtungen, die sich im Rahmen des Projektes ‘Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen‘ (www.selbsthilfefreundlichkeit.de) für ihr Engagement für Selbsthilfegruppen auszeichnen lassen“, freut sich Antje Liesener von der Netzwerk-Koordination in Berlin. Konkret bedeutet dies, dass Patientinnen und Patienten schon in den Kliniken regelhaft über Selbsthilfe als ergänzende Maßnahme informiert werden. Es werden gemeinsame Veranstaltungen, wie themenspezifische Vorträge oder Selbsthilfetage, organisiert. Selbsthilfegruppen können Klinikräume nutzen, Pflegekräfte werden durch die Kontaktstellen geschult und Schautafeln informieren in vielen Häusern über nachsorgende Selbsthilfemöglichkeiten.

Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke sind immer wieder beeindruckt von der Kraft, die entsteht, wenn sich Menschen zusammentun, um gemeinsam für sich und für andere etwas positiv zu verändern. Denn der Veränderungswille in der Selbsthilfe aktiviert neue, oft ungeahnte, Kräfte und das Wir-Gefühl gibt Stärke wie auch Zuversicht für jeden Einzelnen.

Kontakt:
Das zentrale, überregionale Internetportal www.nakos.de informiert Interessierte über alle gesundheitlichen und (psycho-)sozialen Selbsthilfegruppen sowie über alle Selbsthilfe-Unterstützungsstellen in ganz Deutschland.
Hier vor Ort wenden Sie sich bitte an die PariSozial Minden-Lübbecke/Herford
Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke, Tel. 0571-8280224 oder das
Paritätische Selbsthilfe-Büro Herford, Tel. 05221-50857 bzw. per E-Mail an
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Iris Busse, Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke und Paritätisches Selbsthilfe-Büro Herford


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