Autorin:
Astrid Hahner
Geschäftsführerin integra GmbH, Stadthagen
Autor:
Sven Schmauder
integra GmbH, Leitung Standort Stadthagen
Autorin:
Melanie Schumann
Sozialdienstleitung, Berolina Klinik
Autor:
Prof. Dr. Scott Gissendanner
Wissenschaftler im ärztlichen Dienst
Qualitätsmanagementbeauftragter, Berolina Klinik
Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben im Fokus
Das deutsche Versorgungssystem weist viele Stärken auf – unter anderem die vielfältigen Angebote vor, während und nach einer Rehabilitationsbehandlung. Eine Herausforderung für PatientInnen stellen jedoch die Übergänge zwischen diesen Phasen dar. In diesem Beitrag betrachten wir einen dieser Übergänge, der häufig auftritt: den Weg von einer psychosomatischen oder orthopädischen Rehabilitation zurück ins Arbeitsleben unter Inanspruchnahme von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Wie läuft das eigentlich ab?
Zum Hintergrund: Für Menschen mit einer bestehenden oder drohenden Einschränkung der Teilhabe sieht das Sozialgesetzbuch vor, dass bestimmte Unterstützungsleistungen zum Verbleib im Arbeitsleben vom Staat übernommen werden können. Dazu zählen beispielsweise Trainingsmaßnahmen, Mobilitätshilfen, berufliche Umorientierung wie z. B. eine Umschulung sowie Anpassungsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Diese Maßnahmen sind unter der Abkürzung „LTA“ bekannt – Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
Um den Übergang von der Berolina Klinik in eine LTA genauer zu beleuchten – und dies anhand konkreter, typischer Beispiele – haben wir Astrid Hahner und Sven Schmauder von der integra GmbH (Stadthagen, Niedersachsen) zum Gespräch mit der Leiterin unseres Sozialdienstes, Melanie Schumann, und Scott Gissendanner, Qualitätsmanagementbeauftragter, eingeladen. Frau Hahner ist integra Geschäftsführerin, Herr Schmauder leitet den Standort in Stadthagen. Die integra GmbH bietet verschiedene Dienstleistungen im Rahmen der LTA an – unter anderem auch gelegentlich für ehemalige RehabilitandInnen der Berolina Klinik. Zu den Maßnahmen zählen berufsvorbereitende Bildungsangebote, Belastungs- und Arbeitserprobungen, Integrationsmaßnahmen sowie das ambulante berufliche Casemanagement.
Scott Gissendanner: Was erlebt ein Mensch mit psychischer Symptomatik, der aus einer medizinischen Rehabilitation entlassen wurde und anschließend von Ihnen im Rahmen einer LTA betreut wird?
Astrid Hahner/Sven Schmauder: Die Einschätzungen der Reha-Kliniken zur Leistungsfähigkeit unserer KlientInnen, die wir in der Regel zu Beginn einer LTA erhalten, sind sehr hilfreich. Sollte eine solche Einschätzung fehlen, kann unser psychologischer Dienst unterstützend tätig werden und eine erste eigene Beurteilung vornehmen – insbesondere im Hinblick auf mögliche niederschwellige psychosomatische Komorbiditäten. Zu Beginn ist eine Arbeitserprobung möglich, die in der Regel etwa vier Wochen dauert. Sie gibt uns einen guten Eindruck von der psychischen und körperlichen Belastbarkeit in verschiedenen Situationen. Manche Teilnehmende beginnen im Anschluss mit einer beruflichen Ausbildung oder einer anderen Bildungsmaßnahme. Insgesamt dauert die Integrationsmaßnahme in der Regel sechs Monate – mit der Möglichkeit zur Verlängerung.
Bei uns erleben die Teilnehmenden ein individuelles Programm und keinen starren Maßnahmenplan. Wir halten vielfältige Angebote und diagnostische Möglichkeiten bereit – jede und jeder ist frei, das auszuwählen, was hilfreich ist und den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Wir vermitteln nicht nur in neue Berufe, sondern suchen auch nach passenden Arbeitsplatzsituationen für unsere Teilnehmenden. Wir kennen die regionalen Betriebe und können Menschen unabhängig von ihrer formalen Qualifikation vermitteln. Wenn wir der Meinung sind, dass jemand gut zu einem Betrieb passt, können wir manchmal in eine betriebliche Erprobung vermitteln, bei dem Betrieb und Person im Rahmen der LTA eine Anstellung unverbindlich ausprobieren können.
Scott Gissendanner: Wie nehmen Sie Ihre LTA-Teilnehmenden wahr?
Astrid Hahner/Sven Schmauder: Die Teilnehmenden bei uns sind motiviert, durchschnittlich zwischen Mitte 40 und Mitte 50 und kommen häufig direkt nach einer medizinischen Rehabilitation zu uns. Sie sind jedoch in Bezug auf die Grunderkrankung und eine mögliche psychosomatische Begleitsymptomatik recht unterschiedlich. Diejenigen, die aus der Reha kommen, verfügen meist über gradlinige Erwerbsbiografien – ohne viele Unterbrechungen und mit wenigen Arbeitgebern. Durch eine körperliche oder psychische Beeinträchtigung werden sie jedoch aus ihrem bisherigen Lebensweg geworfen und müssen einen neuen Beruf oder eine neue Form der beruflichen Tätigkeit finden.
Scott Gissendanner: Was wünschen Sie sich von Reha-Kliniken oder von Reha-Trägern für Ihre KlientInnen?
Astrid Hahner/Sven Schmauder: Was wir gerne ändern würden, ist die Zeitverzögerung zwischen der Entlassung aus der Reha-Klinik und dem Beginn der LTA bei uns. In dieser Zwischenzeit – meist zwei bis drei Monate – geht das Leben weiter und es können Brüche oder neue Entwicklungen auftreten, die den Aufbau auf den in der Reha erzielten Fortschritten erschweren. Ein direkter Übergang von der Reha zu uns kommt selten vor.
Melanie Schumann: Was können unsere älteren PatientInnen erwarten, wenn sie einen LTA-Antrag für eine Umschulung auf einen neuen Beruf stellen? Gibt es ab 55 Jahren tatsächlich nur noch geringe Chancen auf Förderung?
Astrid Hahner/Sven Schmauder: Aus unserer Erfahrung: nein. Wo eine berufliche Qualifizierung sinnvoll ist, wird diese nach unserer Erfahrung vom Kostenträger unterstützt. Sowohl betrieblich als auch überbetrieblich. Im Vordergrund steht die Vermittlung auf den Arbeitsmarkt. Das Alter ist unserer Einschätzung nach kein Ausschlusskriterium mehr.
Scott Gissendanner: Was können RehabilitandInnen tun, um sich in der Klinik auf eine LTA gut vorzubereiten und die Maßnahme selbst als Erfolg zu erleben?
Melanie Schumann: Die Patienten erfahren in der Regel hier in der Klinik das erste Mal von LTA. Eine sinnvolle Vorbereitung wäre, in Gesprächen in psychotherapeutischen Gruppen oder in der Einzeltherapie möglicherweise darüber zu sprechen, wie man Motivation und Optimismus entwickeln kann, um mit weniger Angst eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.
Adresse/Ansprechpartner:
IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
Ärztlicher Leiter:
Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott
Kontakt/Sekretariat:
Frau Verena Linnenkamp
Koblenzer Straße 1
D-32584 Löhne/Bad Oeynhausen
Telefon +49 (0) 5731-782752
Fax +49 (0) 5731-782777
E-Mail: info@ireha.de