Studie zum Behandlungsbedarf von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden in der orthopädischen Rehabilitation

Autorin: PD Dr. Annett Salzwedel, Potsdam

Die hormonelle Umstellung in der Lebensmitte einer Frau (Peri-/Postmenopause bzw. Wechseljahre) ist häufig von vielfältigen Symptomen wie Knochen- und Gelenkschmerzen, verstärktem Schmerzempfinden, verminderter Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit sowie Depressivität begleitet. Eine Thematisierung von Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren wird in der orthopädischen Rehabilitation bislang von der Rentenversicherung jedoch nicht spezifisch angefordert. Im Forschungsprojekt „Frauengesundheit in der orthopädischen Rehabilitation“ („FReha“, Universität Potsdam) wurden 345 Patientinnen und 40 Reha-Mitarbeitende online befragt. Ziel war es abzuschätzen, wie verbreitet Wechseljahresbeschwerden bei Frauen in der orthopädischen Reha sind. Auch sollten Anhaltspunkte für eine bessere Ausgestaltung der Reha gefunden werden. Die Berolina Klinik war eine von fünf beteiligten Kliniken. 
Den teilnehmenden Frauen wurden Fragen zur Frauengesundheit, u. a. aus der Menopause Rating Scale-II (Hauser et al. 1999) zu typischen Symptomen wie Gelenk- und Muskelbeschwerden, Herzbeschwerden, Wallungen, Schwitzen, Schlafstörungen sowie körperlicher und geistiger Erschöpfung gestellt. Erfragt wurden zudem Erfahrungen und Wünsche hinsichtlich der Behandlung und Unterstützung in der Rehabilitation.
Die Ergebnisse offenbarten eine stärkere Symptomausprägung bei Frauen in der orthopädischen Rehabilitation im Vergleich zu anderen Stichproben z. B. Frauen in der Hausarztpraxis (Göpfarth et al. 2025). Darüber hinaus berichteten auffällig viele Frauen besondere Belastungssituationen im Kontext von Wechseljahresbeschwerden, die auch mit Einschränkungen in Alltag und Beruf einhergehen können.
Die Reha bzw. verschiedene Reha-Angebote wie die Sporttherapie oder Entspannungsübungen wurden von den Befragungsteilnehmerinnen im Allgemeinen als hilfreich wahrgenommen. Gleichzeitig haben sich Patientinnen wie auch Behandelnde zusätzliche Angebote oder eine Verstärkung von vorhandenen Angeboten gewünscht. Konkreter Handlungsbedarf besteht in mehreren Bereichen.
Die große Mehrheit der Patientinnen aus den fünf Kliniken gab an, im ärztlichen oder therapeutischen Gespräch (noch) nicht auf die Wechseljahre angesprochen worden zu sein. Ebenfalls selten wurde in Anwendungen auf Wechseljahresbeschwerden eingegangen. Gleichzeitig fiel es einem erheblichen Teil der Patientinnen schwer, das Thema selbst gegenüber dem Klinikpersonal anzusprechen. Hinsichtlich des Verbesserungsbedarfs nannten Patientinnen und Mitarbeitende unter anderem eine wechseljahresspezifische Erweiterung der Ernährungsberatung, eine bedarfsorientierte psychologische Betreuung, eine stärker auf Wechseljahresbeschwerden ausgerichtete ärztliche Anamnese mit respektvoller Kommunikation sowie insgesamt eine bessere Aufklärung und Information zum Themenkomplex der Wechseljahre einschließlich Symptomen, Medikation und Behandlung.
Die Projektergebnisse legen nahe, dass Frauen in den Wechseljahren spezifische Bedarfe in die Reha mitbringen, die im individuellen Reha-Prozess stärker berücksichtigt werden sollten, um die Wirkung der Reha für sie zu optimieren. Handlungsbedarfe für Reha-Kliniken wurden gefunden und Vorschläge konkretisiert, die zum Teil mit minimalem Aufwand umgesetzt werden können.
Siehe auch den Beitrag “Die Wechseljahresberatung in der Berolina Klinik” von Petra Kixmöller-Süllwold, Berolina Klinik

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