Autor: Michael Schmidt Technischer Leiter, Berolina Klinik
Nachhaltigkeit in der Berolina Klinik: Die Treibhausgasbilanz kommt
Die Berolina Klinik trackt ihre Treibhausgasemissionen und treibt sie nach unten
Klimaschutz ist ein zentraler Grundwert unseres Leitbildes. Ein wesentliches Instrument auf dem Weg zur CO₂-Neutralität ist die jährliche Erstellung einer Umweltbilanz, auch Treibhausgasbilanz oder CO₂-Fußabdruck genannt. Ziel dieser Art von Buchhaltung ist es, zu ermitteln, wie viele Treibhausgasemissionen durch den Betrieb der Klinik verursacht werden. Diese bilden den „Scope“ unserer Verantwortung und sind diejenigen Emissionen, die wir am ehesten direkt reduzieren können.
Das Nachhaltigkeitsteam der Berolina Klinik erstellt derzeit die erste Treibhausgasbilanz für die Jahre 2023 und 2024. Hierfür nutzen wir die Software „ecocockpit“ der Effizienz-Agentur NRW, unterstützt durch das Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG).
Die Emissionen eines Betriebes lassen sich in drei Bereiche unterteilen.
Der erste Bereich umfasst selbst erzeugte Emissionen wie beispielsweise die Abgase unseres Fuhrparks oder die Emissionen aus den Heizkesseln für unsere Gebäudeheizung.
Der zweite Bereich betrifft den Einkauf von Strom und anderen extern erzeugten Energiequellen.
Im dritten Bereich finden sich die indirekten oder „nachgelagerten“ Emissionen. Diese entstehen durch den Verbrauch von PatientInnen und Mitarbeitenden im Zusammenhang mit allem, was im weitesten Sinne zur Erbringung der Reha-Behandlung genutzt wird. Hierzu zählen beispielsweise auch die Emissionen, die durch die An- und Abreise der PatientInnen sowie das Pendeln der Mitarbeitenden entstehen. Darüber hinaus fallen darunter unser Wasser- und Abwasserverbrauch, die Müllentsorgung, Wäschedienstleistungen, Instandhaltungsmaßnahmen und vieles mehr.
Die Berechnung der indirekten Emissionen ist komplex und ohne gewisse Möglichkeiten zur Vereinfachung äußerst aufwendig. Hier bietet die für uns kostenfrei nutzbare ecocockpit-Software eine entscheidende Unterstützung. Sie ermöglicht eine empirisch begründete Schätzung von Emissionswerten auf Kostenbasis, abgeleitet aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Dadurch lassen sich viele Emissionswerte relativ einfach ermitteln.
Trotz dieser Vereinfachungen lassen sich nicht alle Emissionen pauschal berechnen. Ein gutes Beispiel ist die Ermittlung der Emissionen aus den An- und Abreisen unserer RehabilitandInnen. Hier unterstützt unsere IT-Abteilung mit einem eigens entwickelten, softwaregestützten Prozess – weitere Details stellen wir gern auf Anfrage zur Verfügung:
mit aggregierten und anonymen Daten aus der Abteilung Patientenaufnahme.
Zunächst werden aus dem Krankenhaus-Informationssystem (KIS) alle Postleitzahlen (PLZ) aller Anreisen anonym extrahiert und in einer Excel-Datei (.xlsx) gespeichert. Diese Datei wird anschließend von einem selbst entwickelten Konsolenprogramm (programmiert in C# mit Unterstützung einer KI) eingelesen und verarbeitet. Jede PLZ wird mithilfe einer OpenCage-API in geografische Koordinaten umgewandelt. Auf dieser Basis wird die Entfernung zur PLZ der Klinik berechnet, wobei ausschließlich die Luftlinienentfernung herangezogen wird. In einem späteren Schritt wird diese Entfernung mit dem „Circuity Faktor“ von 1,25 multipliziert, um die tatsächlich gefahrenen Kilometer etwas präziser zu schätzen.
Anhand der ermittelten Entfernungen wird der CO₂-Ausstoß geschätzt. Für Anreisen mit dem Pkw nutzen wir aktuell die Formel: gefahrene Kilometer × 0,2 kg CO₂. Der Anteil der Anreisen, die mit der Bahn erfolgen, wird von der Patientenaufnahme ermittelt; hier wird mit Kilometer × 0,04 kg CO₂ kalkuliert. Sowohl 2023 als auch 2024 reisten 20 % unserer RehabilitandInnen per Bahn an und ab.
Das Gesamtergebnis zeigt: Im Jahr 2023 verursachten die An- und Abreisen der PatientInnen geschätzt 199.000 kg CO2, im Jahr 2024 waren es 186.000. Dies entspricht für das Jahr 2023 in etwa 124 Hin- und Rückflügen zwischen Frankfurt und New York oder dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von rund zehn deutschen Haushalten. Um diese Menge wieder aus der Atmosphäre zu binden, müssten ca. 20.000 Bäume ein Jahr lang wachsen. Es steckt also großes Einsparpotenzial allein im Reiseverhalten der RehabilitandInnen, zumal es Jahre gegeben hat, in denen 30 % der Anreisen bei uns mit der Bahn erfolgten.
Doch wir „tracken“ unsere Emissionen nicht nur, wir treiben sie auch nach unten.
Unsere Treibhausgasbilanz zeigt uns andere Bereiche, in denen sich Reduktionsmaßnahmen besonders lohnen. Schon jetzt investieren wir. Im laufenden Jahr wurden fast 90 Kilowattpeak Photovoltaik installiert und im Zuge einer großen Modernisierung rüsten wir Küche und Technik mit effizienteren Geräten aus. Parallel zur steigenden Eigenproduktion von Strom setzen wir auf Elektrifizierung und erwarten deutliche Einsparungen. Das alles wird sich in den kommenden Bilanzen klar widerspiegeln.
Adresse/Ansprechpartner: IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
Ärztlicher Leiter: Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott
Kontakt/Sekretariat: Frau Verena Linnenkamp Koblenzer Straße 1 D-32584 Löhne/Bad Oeynhausen
Telefon +49 (0) 5731-782752 Fax +49 (0) 5731-782777
E-Mail: info@ireha.de
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