Autor:
Prof. Dr. med. Torsten Passie
Chefarzt Psychosomatik,
Berolina Klinik

Autor:
Rolf Süllwold

ehem. Chefarzt Psychosomatik und Kopfschmerzexperte Berolina Klinik

Kopfschmerzstudie

Unser neuer Fragebogen soll helfen, die Wege bis zur Stellung der richtigen Diagnose bei Kopfschmerz und Migräne besser zu verstehen

Die Abteilung Psychosomatik der Berolina Klinik ist dabei, einen neuen Fragebogen einzuführen, um ein zentrales Problem bei der Behandlung von Kopfschmerz- und MigränepatientInnen unter unseren RehabilitandInnen besser zu beleuchten. Wir werden als Teil der ärztlichen Anamnese die Diagnosewege untersuchen, um herauszufinden, warum es oft lange dauert, bis PatientInnen die richtige Diagnose und eine wirksame Behandlung erhalten. Ziel ist es, zu verstehen, welche Umwege und Fehlentscheidungen dabei auftreten und wie man in Kooperation mit anderen behandelnden Institutionen im Versorgungssystem, wie etwa Hausarztpraxen, den Weg zur leitliniengerechten Diagnose und Therapie verkürzen kann.
Es gibt bisher nur wenige Untersuchungen, welche die Diagnosewege von KopfschmerzpatientInnen systematisch verfolgt haben. Es fällt auf, dass überwiegend Studien zu MigränepatientInnen vorliegen, obgleich aus klinischer Sicht die seltenen Kopfschmerzformen bis zur richtigen Diagnose und Behandlung erheblich längere Wege benötigen (Buture et al., 2018). Bisherige Studien verweisen, was die langen Diagnosewege und die oft insuffiziente Behandlung angeht, darauf, dass gesellschaftliche (Stigma), persönliche (patientenseitige) und ärztliche Faktoren hierfür von Bedeutung sind (z. B. Tana et al., 2024). Wie es konkret zu einer nachteiligen Beeinflussung der Diagnosewege kommt, wurde bisher kaum untersucht. Doch dies scheint für eine gezielte Fehlersuche und Optimierung unerlässlich. 

 

Wer ist beteiligt und was werden wir tun?
Wir sprechen mit allen RehabilitandInnen, die an Migräne, Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen oder anderen Kopfschmerzarten leiden und bei uns in Behandlung sind. Sie werden einen von uns neu entwickelten Fragebogen ausfüllen, der ihre bisherigen Erfahrungen systematisch erfasst.
Der Bogen enthält Fragen unter anderem zu folgenden Themen:
  • Seit wann bestehen die Kopfschmerzprobleme und wie lange dauerte es bis zur ersten Diagnose?
  • Wer hat die erste Diagnose gestellt (HausärztIn, NeurologIn, SchmerztherapeutIn, Fachklinik)?
  • Welche ÄrztInnen und andere Fachkräfte (z. B. GynäkologIn, ZahnärztIn, PhysiotherapeutIn, HeilpraktikerIn) wurden in welcher Reihenfolge aufgesucht?
 
Warum ist das wichtig?
Die Betrachtung der Diagnosewege unserer PatientInnen wird zeigen, wie lang und kompliziert der Weg bis zur korrekten Diagnose und einer leitliniengerechten Behandlung ist. Dabei soll insbesondere die Frage beantwortet werden, wo auf dem Weg zur Diagnose typische Fehlentscheidungen passieren, die die richtige Behandlung verzögern. Wie könnte man diese Wege verkürzen, damit PatientInnen schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen?

 

Literatur
Buture, A., Ahmed, F., Dikomitis, L., Boland, J. W. (2018). Systematic literature review on the delays in the diagnosis and misdiagnosis of cluster headache. Neurol. Sci., 40, 25-39.
Tana, C., Raffaelli, B., Souza, M. N. P., de la Torre, E. R., Massi, D. G., Kisani, N., ... & Waliszewska-Prosół, M. (2024). Health equity, care access and quality in headache - part 1. The Journal of Headache and Pain, 25 (1), 12.
 

Ihr Kontakt zu IREHA

 
Adresse/Ansprechpartner:
IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
 
Ärztlicher Leiter:
Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott
Kontakt/Sekretariat:
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Koblenzer Straße 1
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