Klinische Rückmeldungen in der medizinischen Rehabilitation. Gespräche mit Behandelnden der Berolina Klinik
Autor: Prof. Dr. Scott Gissendanner
Wissenschaftler im ärztlichen Dienst und Qualitätsmanagementbeauftragter, Berolina Klinik
1. Das Problem von fehlenden Rückmeldungen
Mitarbeitende von Rehabilitationseinrichtungen wie der Berolina Klinik sind mit dem Problem konfrontiert, dass sie bestenfalls zufällig Rückmeldung erhalten, wie es ihren PatientInnen nach der Maßnahme ergangen ist. Da es sich um chronisch kranke Menschen handelt, können zentrale Rehabilitationsziele erst mittel- bis langfristig erreicht werden; die Behandelnden sind von einer Rückmeldung dazu auf individueller Ebene in aller Regel strukturell ausgeschlossen. Diese wird als klinische Rückmeldung bezeichnet (Knoop & Meyer-Feil, 2026), im Gegensatz zu einer Rückmeldung auf Gruppenebene für alle RehabilitandInnen einer Klinik, wie sie die schon gut ausgebaute Qualitätssicherungsbefragung der gesetzlichen Rentenversicherung ermöglicht.
Der Ausschluss von klinischer Rückmeldung ist potenziell von Nachteil für die behandelnden Personen. Im idealtypischen Verlauf von Rückkopplungsschleifen in medizinischen Organisationen wie Reha-Kliniken steht zu Beginn eine Rückmeldung von PatientInnen, die von den Behandelnden verwertet wird und in entsprechende Verhaltensanpassungen mündet. Fehlt diese Rückkopplungsschleife, kann dies mit geringerer Behandlungsqualität und Arbeitszufriedenheit in Verbindung stehen.
Ob verbesserte Rückmeldungsmöglichkeiten zur Qualitätssteigerung führen würden, bleibt offen. Die Ergebnisse deuten darauf, dass die Bereitschaft und Fähigkeit, Rückmeldung in professionelles Handeln zu übersetzen, in mehreren Fällen erwiesen und in fast allen vorstellbar sind. Ob Rückmeldeschleifen funktionieren, hängt jedoch nicht allein vom Vorhandensein von Rückmeldungen ab, sondern wird durch Nutzenerwartungen, Rollenverständnisse und berufliche Schwerpunkte geprägt.
Literatur
Knoop, T. und Meyer-Feil, T. (2026). Rehabilitation und Möglichkeiten des klinischen Feedbacks. Diskussionsforum beim 35. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium der DRV Bund und der DGRW vom 24. bis 26. März 2026 in Leipzig.
Kuckartz U. (2016). Qualitative Inhaltsanalyse: Methoden, Praxis, Computerunterstützung (3., überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz Juventa.
Adresse/Ansprechpartner:
IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
Ärztlicher Leiter:
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