Rubrik: Vorstellung einer Berufsgruppe
die Arbeit der Nachtschwestern in der Berolina Klinik
Unsere Nachtschwestern sind momentan:
Ellen Diekmann, Lena Dubs, Martina Grimmer, Bettina Mc Gair, Carolin Schilling, Monika Stein, Katharina Thielking, Snezana Tsioutanis, Roswitha Rabe
In der Berolina Klinik sind immer 2 Nachtschwestern pro Nacht im Dienst. Es gibt 1,5 Stellen mit einem Nachtwachenvertrag. Der andere Teil wird durch Teilzeitkräfte aus dem Tagdienst und geringfügig Beschäftigte abgedeckt.
Unbestritten ist, dass sich Tag- und Nachtdienst einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik in der Pflege grundlegend voneinander unterscheiden. Die Pflegekräfte bevorzugen den Nachtdienst wegen des ruhigeren Arbeitsumfeldes ohne den Trubel des Tages. Die Hektik, Visiten, störende Anrufe oder organisatorische Unterbrechungen entfallen größtenteils. Ein Teil der Nachtdienstmitarbeiterinnen sind von Natur aus eher „Nachteulen“ und fühlen sich nachts leistungsfähiger als früh am Morgen. Andere schätzen die ruhigere Arbeitsatmosphäre und da das Team kleiner ist, wird auch enger und kollegialer zusammengearbeitet. Hierbei sind gute Menschenkenntnis, Erfahrung und großes Einfühlungsvermögen unabdingbar. Man schätzt es, tagsüber Zeit für familiäre Verpflichtungen oder andere Dinge zu haben.
Bei einer Vollzeitstelle arbeitet man 7 Nächte und hat dann 7 Nächte frei. Durch eine geschickte Planung von Urlaub und Frei muss mittlerweile niemand mehr als 7 Nächte hintereinander wachen. Um die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie gut hinzubekommen, wird auf die Wünsche der Teilzeitkräfte eingegangen. Es gibt die Möglichkeit weniger Nächte hintereinander zu arbeiten. Das Modell macht es möglich mal 4 oder 3 oder 2 Nächte mit Freiphasen zu planen.
Stets sind es zwei Kolleginnen, die sich in der Zeit zwischen 19:50 Uhr und 6:50 Uhr die Zuständigkeit für die mehr als 280 Betten große Berolina Klinik teilen. Dabei ist eine Mitarbeiterin für das große Haupthaus (Haus 1) verantwortlich, die zweite Kollegin für die Häuser 2 und 3.
Die Arbeit beginnt mit der Übermittlung relevanter Informationen über sowohl körperlich als auch psychisch besonders belastete und kranke Patientinnen und Patienten durch den Spätdienst der Pflegekräfte an die Kolleginnen des Nachtdienstes. Die Routineaufgaben der Nachtschwestern umfassen dann reguläre Kontaktaufnahmen – persönlich oder telefonisch. Dabei sondiert man die aktuelle Lage, versucht, die psychische Verfassung der Einzelnen einzuschätzen und fragt nach weitergehenden Wünschen. Blutdruck-, Puls- und Temperaturkontrollen sowie die Aushändigung von Bedarfsmedikamenten gehören zu den Routineaufgaben. Teilweise müssen noch pflegerische Spätaufnahmen an Anreisetagen erfolgen oder PatientInnen-Akten von neu angereisten PatientInnen müssen noch ausgearbeitet werden, wenn der Stationsarzt erst sehr spät die ärztliche Aufnahme erledigen konnte. Bei hohem Arbeitsaufkommen am Tage, kann es auch passieren, dass der Nachtdienst noch Aufgaben erledigen muss, die vom Tag- bzw. Spätdienst nicht geschafft wurden (z. B. Abheften von Befunden oder Unterlagen, Vorbereitung zur Blutentnahme, etc.). Auch die Unterstützung und Hilfestellung bei der täglichen Grundpflege teilt sich der Nachtdienst mit dem Tagdienst. Zu den praktischen Arbeiten gehört außerdem noch die gesamte Vorbereitung der bald anstehenden Anreisen.
Vielfältige Dokumentationsaufgaben sind zu erledigen. Jeder Notruf, per Telefon, Klingel oder auch in Form persönlicher Kontaktaufnahme, wird von den Pflegekräften entgegengenommen. Besonders ausgewählte Patientinnen und Patienten erhalten ihre Abend- bzw. Nachtmedikation unter Aufsicht. Das Rollenverständnis der Schwestern im Umgang mit ihren „Kundinnen und Kunden“ ist meist eher pflegerisch-therapeutischer Natur, dann wieder auch von fast freundschaftlichem Umgang geprägt. Durch ihre Anwesenheit zeigen die Pflegekräfte stets beruhigende Präsenz, wo auch immer sie sich aufhalten oder bewegen: Ob sie sich an der Rezeption aufhalten oder über die Klinikflure laufen im Rahmen ihrer Kontrollgänge. Und kontrolliert werden muss viel: Dutzende Türen (abgeschlossen oder nicht?), Dutzende Räume (Licht an- oder ausgeschaltet?), viele Fenster (schließen). Ist nach Beginn der Nachtruhe irgendwo unangemessener Lärm zu vernehmen? Riecht es in den Fluren nach Nikotin, weil ein „Suchterkrankter“ das strikte Rauchverbot in den Häusern missachtete?
Die im Vergleich zum üblichen Tagesgeschäft psychologisch eher niedrigere Hemmschwelle wird von vielen Patientinnen und Patienten genutzt, um in der ruhigeren und entspannteren Atmosphäre des Abends einfach einmal informell mit den Nachtschwestern in Kontakt zu kommen. Dabei kann es sich um einen kurzen freundlich-höflichen Gruß handeln, aber durchaus auch um Gespräche, die sich im Verlauf so sehr vertiefen, dass eine ganze Stunde daraus werden kann.
Dabei ist es den Pflegekräften gleichzeitig auch außerordentlich wichtig, Strukturen des klinischen Ablaufes zu beachten, zu kommunizieren und durchzusetzen. Hier kommt es auf das psychologische und pädagogische Geschick der Pflegekräfte an, die des Nachts beispielsweise mit lärmenden oder sich sonst wenig rücksichtsvoll verhaltenden Patientinnen und Patienten konfrontiert sind. Immer wieder muss auf die Einhaltung der Hausordnung im Interesse aller Beteiligten hingewiesen werden.
Trotz aller erforderlichen Disziplinierungsmaßnahmen sind doch auch sehr berührende Begegnungen möglich. Patientinnen und Patienten werden angesprochen, wenn sie durch Gestik oder Mimik vermitteln, dass es ihnen nicht gut geht. Gerade diese Momente vertraulicher und tiefgehender Gespräche führen oft zu hilfreichen Erfahrungen und positiven Erinnerungen an den Klinikaufenthalt.
Adresse/Ansprechpartner:
IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
Ärztlicher Leiter:
Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott
Kontakt/Sekretariat:
Frau Verena Linnenkamp
Koblenzer Straße 1
D-32584 Löhne/Bad Oeynhausen
Telefon +49 (0) 5731-782752
E-Mail: v.linnenkamp@berolinaklinik.de