Berufliche und familiäre Verpflichtungen im Einklang? Was die Berolina Klinik dafür tut.

Autor: Prof. Dr. Scott Gissendanner
Wissenschaftler im ärztlichen Dienst und Qualitätsmanagementbeauftragter, Berolina Klinik

Wenn die Familie plötzlich mehr verlangt
Das Leben stellt uns immer wieder vor neue Aufgaben, die sich nicht nach dem Dienstplan richten. Wer zum ersten Mal Mutter oder Vater wird, ordnet den Alltag völlig neu und trägt über Nacht Verantwortung rund um die Uhr. Nächte werden kürzer, die Kita hat andere Öffnungszeiten als die Klinik Schichten kennt, und ein fieberndes Kind hält sich an keinen Kalender. Wenn die eigenen Eltern älter werden und zunehmend auf Hilfe angewiesen sind, kommt eine Sorge hinzu, die oft über Jahre begleitet. Sie ist mit Behördengängen, Arztterminen, der Suche nach einem Pflegeplatz und schwierigen Entscheidungen verbunden, häufig aus der Ferne und zwischen zwei Diensten organisiert. Auch eine plötzliche Erkrankung in der Familie, eine Trennung oder der Ausfall der gewohnten Kinderbetreuung bringen ein sorgfältig geordnetes Gefüge ins Wanken. Solche Situationen treffen früher oder später fast alle Beschäftigten, unabhängig von Alter oder Lebensmodell. Sie lassen sich selten lange im Voraus planen, und sie kosten Kraft, die an anderer Stelle fehlt.
Warum uns das nicht gleichgültig ist
Die Arbeit in einer Rehabilitationsklinik ist anspruchsvoll. Wir erwarten von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter, dass sie unseren PatientInnen mit voller Aufmerksamkeit, fachlichem Können und Zuwendung begegnen. Das gilt für die Visite ebenso wie für die Therapieeinheit, den Empfang an der Rezeption oder die Zubereitung des Essens. Diesen Anspruch halten wir bewusst hoch, denn die PatientInnen sollen sich gut aufgehoben fühlen. Zugleich wissen wir, dass gute Arbeit besser gelingt, wenn der Kopf frei ist. Bei über zweihundert Beschäftigten, verteilt auf viele Berufsgruppen und über den ganzen Tag laufende Schichten, ist es eine echte Aufgabe, diese Anforderungen mit den privaten Belastungen der Einzelnen in Einklang zu bringen. Deshalb schaffen wir Rahmenbedingungen, die tragen.
Unser Weg: das audit berufundfamilie
Seit 2010 nimmt die Berolina Klinik am audit berufundfamilie teil. Ein Audit ist mehr als ein Bekenntnis auf dem Papier. Wir vereinbaren verbindliche Ziele, deren Umsetzung jährlich durch die berufundfamilie GmbH überprüft wird. Alle drei Jahre folgt eine erneute Auditierung, bei der wir weiterführende Ziele festlegen. Diese externe Kontrolle unterscheidet ernst gemeinte Personalpolitik von bloßen Absichtserklärungen, denn wer sein Handeln überprüfen lässt, muss liefern und nicht nur versprechen.
Aus unserem aktuellen Handlungsprogramm einige Beispiele, die im Alltag wirken. Wir bieten viele Arbeitszeitmodelle, von klassischer Teilzeit über Gleitzeit bis zu Anpassungen im Schichtdienst und stufenweisem Wiedereinstieg nach einer längeren Auszeit. So lässt sich Arbeitszeit dort, wo es die Aufgabe zulässt, an die jeweilige Lebensphase anpassen. Für familiäre Notfälle, etwa einen kurzfristigen Betreuungsengpass, finden wir gemeinsam mit den Führungskräften individuelle Regelungen, bis hin zur befristeten Befreiung von Wochenenddiensten. Ein Kontakthalteprogramm begleitet Beschäftigte während längerer Auszeiten, damit der Anschluss nicht verloren geht und die Rückkehr leichter gelingt. Bei der Wohnungssuche unterstützen wir neue MitarbeiterInnen und halten Übergangsappartements bereit, was gerade beim Start in einer fremden Stadt entlastet.
Für Beratung sorgen wir auf mehreren Ebenen. Kolleginnen, die als Pflegeguides ausgebildet sind, geben ihr Wissen bei Pflegefragen weiter und kennen die Wege durch Anträge und Angebote aus eigener Erfahrung. Die Ernährungsberatung steht ebenfalls offen. Eine Wechseljahresberatung greift ein Thema auf, das im Arbeitsleben lange kaum benannt wurde, obwohl es viele betrifft. Intern bieten wir eine niedrigschwellige psychologische Erstberatung für den ersten Schritt, wenn etwas belastet. Für besondere psychisch belastende Situationen ermöglichen wir darüber hinaus Coaching-Gespräche in einer kooperierenden psychosomatischen Klinik, also eine vertiefte Begleitung außerhalb des eigenen Hauses.
Hinzu kommen Angebote, die über den Arbeitsplatz hinaus entlasten. Zur Mobilitätsförderung zählen das Deutschland-Ticket als Job-Ticket und ein Leasing-Angebot für E-Bikes, die den täglichen Weg zur Arbeit günstiger und flexibler machen. An Freizeitmöglichkeiten bieten wir die Nutzung des hauseigenen Schwimmbads und des MTT-Raums, damit Bewegung und Erholung auch im Arbeitsalltag ihren Platz finden.
Wirksamkeit und Akzeptanz der Maßnahmen
Dass dieser Weg Wirkung zeigt, bestätigt auch der Kreis Herford. 2025 erhielten wir nach einem Audit unserer Maßnahmen zum fünften Mal das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen im Kreis Herford“. Zugleich ist uns bewusst, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Aufgabe ist, die man einmal löst und dann abhaken kann. Lebensmodelle ändern sich, neue Anforderungen entstehen, und unsere Angebote müssen wir immer wieder daran anpassen.
Und dass diese Angebote bei unseren Mitarbeitenden ankommen, zeigen Gespräche, die im externen Auditverfahren 2025 stattfanden. Unsere Kolleginnen und Kollegen berichteten, dass ihnen bei familiären Engpässen sofort geholfen wurde, dass die Hürde zur Führungskraft klein ist und spontane Absprachen zur Arbeitszeit möglich sind. Viele beschreiben das Miteinander als eine Art Arbeitsfamilie, in der man sich mit Namen kennt, und nennen die Berolina Klinik einen guten Arbeitgeber. Zugleich benennen sie Probleme. So setzt etwa die räumliche Enge an manchen Arbeitsplätzen der Planung nach wie vor Grenzen. Wir nehmen beides ernst, das Lob und die Kritik, denn nur so bleiben unsere Angebote nah an dem, was die Beschäftigten wirklich brauchen.
 

Ihr Kontakt zu IREHA

 
Adresse/Ansprechpartner:
IREHA – Institut für Innovative Rehabilitation
 
Ärztlicher Leiter: 
Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott
Kontakt/Sekretariat:
Frau Verena Linnenkamp
Koblenzer Straße 1
D-32584 Löhne/Bad Oeynhausen
Telefon +49 (0) 5731-782752
E-Mail: v.linnenkamp@berolinaklinik.de

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