Rückblick Symposium Psychosomatik

Donnerstag, 06.11.2025

 

Vortrag 
Dr. med. Elisabeth Petrow

Krankheitsverarbeitung: Nebensache oder komplexe Herausforderung?

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Elisabeth Petrow zum Thema „Krankheitsverarbeitung: Nebensache oder komplexe Herausforderung?“
Dr. Petrow hat zu Beginn ihrer ärztlichen Tätigkeit eine schwere Erkrankung erlitten und Jahre als Patientin in Rehakliniken verbracht. Diese Besonderheit, als junge Medizinerin die Innenperspektive von lebensverändernder Krankheit mit einem daraus resultierenden Krankheitsverarbeitungsprozess aus unmittelbarer Erfahrung und in einer solchen Tiefe kennenzulernen, macht den Vortrag zu einem beeindruckenden, nicht loslassenden Erlebnis.
„Krankheit, insbesondere schwere oder chronische Krankheit verändert dein Leben. Nichts ist mehr wie vorher. Der Prozess, Verantwortung für den eigenen Heilungsweg zu übernehmen und mit den krankheitsbedingten Lebensveränderungen einen Umgang zu finden, bezeichnet man als Krankheitsverarbeitung“, so Dr. Petrow.
Sie erklärt sehr anschaulich die Komplexität der Krankheitsverarbeitung. Der zugrundeliegende Prozess ist nicht linear und erfordert sehr viel Kraft und Frustrationstoleranz. Ziel ist die Krankheitsakzeptanz, das heißt die Erfahrung: „Ich kann trotz der gesundheitlichen Einschränkungen ein gutes und erfülltes Leben führen und lasse mein Leben nicht von Gefühlen wie Wut und Trauer bestimmen.“ Die innere Kernbotschaft lautet: Ich bin nicht meine Krankheit, ich bin so viel mehr!
Dr. Petrow stellt viele Beispiele haltgebender Möglichkeiten für diesen Prozess vor, wie zum Beispiel das Bewusstmachen der in früheren Krisen erworbenen eigenen Kompetenzen, aber auch andere Menschen, bestimmte Rituale, Hobbies, Haustiere, Bücher, Filme oder Musik. Ebenso die Bereitschaft, trotz der gesundheitlichen Beschwerden bewusst auf das Gute im Leben zu achten. Besonders wichtig ist es jedoch, die Beziehung zu sich selbst zu pflegen oder diese vielleicht sogar erstmals bewusst wahrzunehmen, denn sie bildet den Boden für die Krankheitsverarbeitung. Hilfreich können dabei folgende Fragen sein: „ Weiß ich, wie es mir wirklich geht? Weiß ich, was mir wirklich wichtig ist? Weiß ich, wie ich mit mir umgehe – und gefällt mir das?“ Sich selbst in seinem neuen krankheitsbedingten So-Sein wahrzunehmen, kann schwer fallen; häufig stellt sich die/der Erkrankte die Frage „Bin das überhaupt noch ich?“
Wichtig ist, laut Dr. Petrow, weiterhin, in diesen langwierigen Prozess das soziale Umfeld einzubeziehen, Ziele, Tempo und Schrittlänge beim Gestalten des Heilungsweges von Zeit zu Zeit zu prüfen und dabei ehrlich mit sich selbst zu sein: Werde ich mir in meinen aktuellen Stärken und Schwächen gerecht? Ehrlichkeit ist neben Mut ein zentraler Baustein in dem Prozess der Krankheitsverarbeitung. Das schließt einen bewusst gestalteten, das heißt bewusst geübten Umgang mit den eigenen gesundheitlichen Grenzen unbedingt ein, beendete Dr. Petrow diesen eindrücklichen Vortrag.
„Ich bin nicht meine Krankheit, ich bin so viel mehr.“ – dieser Kernsatz wird sicherlich noch bei vielen ZuhörerInnen lange nachschwingen und macht Mut.
 

Referentin

Dr. med. Elisabeth Petrow hat zu Beginn ihrer ärztlichen Tätigkeit eine schwere Erkrankung erlitten und Jahre als Patientin in Rehakliniken verbracht. Sie kennt die Innenperspektive von Krankheits- und Heilungsprozessen aus eigenster Erfahrung und hat diese in einer Tiefe durchdrungen, wie es kaum einmal zu finden ist. Sie ist Autorin des Buches „Wenn Krankheit das Leben verändert. Über den Umgang mit Brüchen im bisher Vertrauten.“ (Psychosozial-Verlag 2019)

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