Rückblick Symposium Psychosomatik

Donnerstag, 06.11.2025

 

Vortrag 
Professor Dr. med. Torsten Passie

Cannabis als Medizin?

Der Vortrag „Cannabis als Medizin“ von Prof. Dr. Torsten Passie (Chefarzt der Psychosomatik) beleuchtete die vielfältigen Aspekte der Cannabispflanze – von ihrer historischen Nutzung über ihre medizinischen Potenziale bis hin zu Risiken und Nebenwirkungen.
Im europäischen Raum wurde Cannabis im 19. Jahrhundert als Arznei – etwa von Merck – in verschiedenen Präparaten genutzt. Mit dem Aufkommen neuer Medikamente verlor es an Bedeutung, erlebt aber heute im Zuge der Legalisierung und medizinischen Forschung eine Renaissance.
Am Anfang des Vortrags stand das körpereigene Endocannabinoid-System, das erst Ende der 1980er-Jahre entdeckt wurde. Es umfasst Rezeptoren, die zahlreiche Körperfunktionen steuern – Lernen, Schmerzempfinden, Schlaf, Appetit und Stressregulation. Cannabinoide wie THC, CBD oder Cannabinol wirken auf diese Rezeptoren. Während THC psychisch aktiv ist und Euphorie, Entspannung, aber auch Angst oder Paranoia hervorrufen kann, wirkt CBD eher dämpfend und ausgleichend.
Körperlich ruft Cannabis meist vorübergehende Effekte wie Mundtrockenheit, Pulssteigerung und Muskelentspannung hervor. Geistig treten sowohl angenehme als auch unerwünschte Wirkungen auf: Beruhigung, bessere Stimmung oder veränderte Wahrnehmung, aber auch verlangsamtes Denken, Konzentrationsprobleme und Gleichgültigkeit. Vergiftungen durch Überdosierungen sind selten und verlaufen in der Regel harmlos (mit manchmal sehr unangenehmen Symptomen und Angstzuständen). Sie geschehen fast nur nach oraler Aufnahme von Cannabis.
Schäden an Organen, Krebs oder hormonelle Störungen sind nicht bekannt. Auch die Annahme, Cannabis verursache bleibende Hirnschäden, gilt heute als widerlegt. Das Risiko einer Abhängigkeit besteht allerdings, insbesondere bei Jugendlichen. Das sogenannte Entzugssyndrom äußert sich mild – mit Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Appetitverlust – und dauert wenige Stunden oder Tage.
Medizinisch wird Cannabis vor allem bei chronischen Schmerzen, Spastiken, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit eingesetzt. Leitlinien sehen es als wirksame Zusatztherapie insbesondere bei Tumorschmerzen und neuropathischen Beschwerden. ÄrztInnen dürfen Cannabis seit 2017 verschreiben, wenn andere Behandlungen nicht greifen; unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen Krankenkassen dann die Kosten.
Die Forschung bleibt schwierig, da keine Patente angemeldet werden können, da Cannabis schon seit 5.000 Jahren als Medikament genutzt wird. Neuere Untersuchungen zeigen aber positive Wirkungen bei Schmerzen, Angststörungen, PTBS und Schlafproblemen.
Der Vortrag schloss mit dem Fazit, dass Cannabis ein altes Heilmittel mit moderatem Risiko, aber hohem therapeutischem Potenzial ist. Es bedarf weiterer Forschung und verantwortungsvoller Anwendung – medizinisch begründet, kontrolliert und frei von ideologischen Vorurteilen.
 

Referent

Prof. Dr. med. Torsten Passie M.A. (phil.)
Chefarzt Psychosomatik

Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
Suchtmedizin, Sozialmedizin

Professor Dr. med. Torsten Passie ist Professor für Psychiatrie und Psychotherapie (apl.) an der Medizinischen Hochschule Hannover. International bekannt ist er für seine Expertise im Bereich der psychoaktiven Substanzen und illegaler Drogen. Er arbeitet seit Jahrzehnten in verschiedenen Einrichtungen mit SuchtpatientInnen und ist länger in einer Spezialpraxis für den medizinischen Einsatz von Cannabis tätig gewesen.

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