Berolina Klinik setzt auf Nachhaltigkeit


Vor ein paar Monaten wurde die neue PV-Anlage der Berolina Klinik eingeweiht.
Nicht nur auf diese Weise schont die Klinik natürliche Ressourcen.

 

Quelle: Dirk Windmöller, NW
Foto: Manuel Tauber-Romieri

Seit Wochen hat es in Löhne nicht ausreichend geregnet, die Temperaturen knacken häufig die 30-Grad-Marke. Wissenschaftler sind überzeugt, dass die Folgen des Klimawandels schon jetzt viel stärker zu spüren sind, als das noch vor wenigen Jahren erwartet wurde. Nicht nur die Politik bemüht sich, mal mehr und mal weniger erfolgreich, die Klimaziele zu erreichen. Auch in Unternehmen gibt es ein Umdenken. In der Berolina Klinik setzt man nicht nur auf Photovoltaik und gebrauchte Computer. Diese und viele andere Punkte stehen im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der Klinik.
Auf dem Dach des Hauptgebäudes der Klinik ist an diesem wolkenlosen Sommertag die Aussicht auf das untere Werretal perfekt. Dort glänzen die Photovoltaik-Elemente in der Sonne. „Im Frühjahr haben wir die Anlage aufgebaut mit einer Leistung von 90 Kilowatt/Peak“, sagt Scott Gissendanner, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Berolina Klinik.
Mit der Anlage kann schon jetzt an schönen Tagen ein großer Teil des Strombedarfs gedeckt werden. Auf einem weiteren Gebäude ist der Bau einer PV-Anlage in Planung. „Unser Ziel ist, dass wir, wenn die Sonne scheint, den gesamten Stromverbrauch der Klinik selber abdecken“, sagt Gissendanner.

 

In der Klinik wurde auch der Energieverbrauch massiv gesenkt.

Um das zu erreichen, werden nicht nur die Dachflächen mit PV-Elementen bestückt. In der Klinik wurde auch der Energieverbrauch massiv gesenkt. Ein großer Wurf ist die neue Küchentechnik. Viele E-Geräte wurden erneuert. Sehr ineffizient war die alte Waschstraße in der Großküche, in der das Geschirr gespült wurde. „Die alte wurde mit Gas betrieben. Die neue Straße läuft jetzt mit Strom“, sagt Gissendanner. An diesen und vielen anderen Tagen mit Strom vom eigenen Dach. Sie verbraucht 60 Prozent weniger Energie und Wasser.
Nicht nur von der modernen Waschstraße ist Küchenchef Axel Bunzel begeistert. „Mit den neuen Kippbratpfannen und den neuen Kochplatten sparen wir nicht nur Energie, es geht auch viel schneller“, sagt er. Bei den großen Portionen mache sich das extrem bemerkbar. Zum Beispiel beim Sommergemüseeintopf, der an diesem Tag auf dem Menüplan stand.
Bei der Nachhaltigkeit geht es in der Küche nicht nur um die neuen Geräte. Die ist schon beim Wareneinkauf ein Thema. „Alles, was möglich ist, wird von uns in Bio-Qualität gekauft“, sagt Gissendanner. Dass sich die Klinik schon vor Jahren für „Bio First“ entschieden habe, ist ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.
„Unsere Patienten sind davon sehr angetan. Dass wir hier viel Wert auf die Qualität des Es-sens legen, sorgt für viel positive Resonanz bei den Patienten“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Kristin Schwagmeier.
Viele Patienten sind für fünf Wochen Reha in der Klinik. „Da ist die Qualität des Essens besonders wichtig. Wenn das Essen nicht gut ist, kann sich das schnell auf die Stimmung auswirken“, sagt Gissendanner. Aus diesem Grund habe man auch in die Küche investiert und sich gegen die Lieferung von fertigen Mahlzeiten durch einen Dienstleister entschieden.
Dort, wo es möglich ist, kommen die Lebensmittel aus der Region. Dieser Begriff hat in einer Großküche allerdings eine etwas andere Bedeutung. „Der Bauer von nebenan könnte unseren Bedarf an Eiern nicht decken“, nennt Küchenchef Bunzel ein Beispiel. Die Klinik arbeitet mit einem Lieferanten zusammen, der sich bemühe, möglichst kurze Wege bei der Belieferung mit Lebensmitteln zu haben. Der ganz kurze Weg gelingt bei den Backwaren: Die kommen von der Bäckerei Simon.
Großes Thema bei der Klinik mit 281 Betten ist die Heizenergie. „Mit einer intelligenten Steuerung heizen wir jetzt viel effizienter“, sagt Gissendanner. Beim Energiesparen können auch die Patienten helfen. In den Zimmern hängen kleine Hinweise. Es wird darum gebeten, die Fenster zu schließen und das Licht auszumachen, wenn man das Zimmer verlässt. Es gibt auch einen Appell, beim Duschen flexibler zu sein. „Jeder will zwischen 06:00 Uhr und 07:30 Uhr duschen. Wenn sich das besser auf morgens und abends verteilen würde, wäre das auch effizienter“, sagt Gissendanner.
Noch gibt es eine große Gasheizungsanlage in der Berolina-Klinik. Fernwärme könnte auch ein Thema für die Klinik werden. „Die Leitung in Bad Oeynhausen endet am Osterbach. Es wäre cool, wenn wir uns anschließen könnten“, sagt er.
Alle paar Jahre gibt es einen neuen PC. So wird in vielen Unternehmen gehandelt. Die Berolina Klinik setzt auf gute Gebrauchte. „Unternehmen mit hohem Leistungsbedarf mustern PC‘s aus, die für unsere Zwecke vollkommen ausreichend sind“, sagt Gissendanner.
So wurden innerhalb eines Jahres 105 Geräte zu einem Gesamtpreis von rund 23.000 Euro angeschafft. Der Neukaufwert der Rechner hätte rund 57.000 Euro betragen. „Durch diesen Ansatz senken wir unsere Treibhausbilanz, da die Produktion neuer Geräte entfällt“, sagt der Nachhaltigkeitsbeauftragte.

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