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30.09.2017 | IREHA | Klinikprojekte | IREHA

Forschungsprojekt mit Beteiligung der Berolina Klinik beim 26. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung Bund prämiert

Prof. Dr. Thomas Altenhöner, Fachbereich Sozialwesen, Fachhochschule Bielefeld
Dipl.-Psych. Andrea Christoffer, Klinik f. Psychosomatik und
Psychotherapie Universitätsklinikum Münster
Dr. Jens Hinrichs, Klinik f. Psychosomatik und Psychotherapie

Ein zentrales Ziel der medizinischen Rehabilitation besteht in der Aktivierung und Förderung persönlicher gesundheitserhaltender Ressourcen. So spielen für den Verlauf und den Erfolg rehabilitativer Maßnahmen – neben krankheitsbezogenen Faktoren – insbesondere die persönlichen und umweltbezogenen Ressourcen der Rehabilitanden eine bedeutende Rolle.
Vor allem im Hinblick auf die therapeutische Bearbeitung psychischer Probleme lässt sich hier auf Konzepte, klinische Erfahrungsberichte und Wirksamkeitsstudien zurückgreifen. Ein zentraler Ausgangspunkt verschiedener Ansätze zur Ressourcenförderung besteht darin, dass sowohl die Betroffenen (z. B. Patienten oder Klienten) als auch die Behandelnden (z. B. Reha-Mitarbeiter) im Behandlungs- bzw. Beratungsprozess neben den defizitären Anteilen auch die gesundheitsunterstützenden Ressourcen in den Blick nehmen und einbeziehen sollten. Für eine moderne und auf die Patientenbedürfnisse zugeschnittene Rehabilitation ist es daher wichtig, dem Einfluss von Ressourcen auf den Rehabilitationsprozess mehr Beachtung beizumessen, um die bisher etablierten problem- und damit eher defizitorientierten Behandlungsansätze um die Berücksichtigung von Ressourcen zu ergänzen und sie damit zu erweitern.
Die Behandlungsleitlinien und Empfehlungen der Leistungsträger enthalten bereits Hinweise, wie die unterschiedlichen Berufsgruppen in der medizinischen Rehabilitation in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich einen Beitrag zu ressourcenorientiertem Arbeiten leisten können. Jedoch ist wenig darüber bekannt, welche konkreten Ressourcen in der Behandlung von Bedeutung sind und wie diese in einer ressourcenorientierten Arbeit vermittelt werden können. Hier ist insbesondere das Reha-Setting, in dem verschiedene Berufsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven zusammenarbeiten, von Bedeutung und gleichzeitig nur wenig beforscht worden.
Unter der Annahme, dass eine gelungene Ressourcenförderung und -aktivierung nicht nur z. B. vom Engagement und der Einstellung der Rehabilitanden abhängig ist, sondern auch durch die ressourcenorientierte Arbeit der Behandelnden unterstützt wird, führt ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Münster in Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld eine Studie zu diesem Thema durch. Das Projekt „InResPro - Integrative Resilienzförderung im Reha-Prozess“ wird von der Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften NRW e. V. gefördert.
Das Ziel des Projektes besteht darin, Interventionen zu entwickeln, die sowohl Reha-Mitarbeiter als auch Rehabilitanden dazu befähigen, patientenbezogene Ressourcen bewusster wahrzunehmen und in die Behandlungen bzw. Therapien zu integrieren. Die Berolina Klinik hat als Kooperationspartnerin diese Entwicklungsarbeit maßgeblich unterstützen können. So haben insgesamt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen sowie 20 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden an moderierten Gruppendiskussionen teilgenommen und sich über ihr Verständnis und ihre Erfahrungen zum Thema Ressourcen und Ressourcenaktivierung ausgetauscht. Zu den befragten Berufsgruppen gehörten Ärzte, Psychologen, Spezialtherapeuten, Pflegemitarbeiter sowie Mitarbeiter aus dem Küchendienst. Zudem wurde in insgesamt drei Rehabilitanden-Gruppen aus den Bereichen Psychosomatik und Verhaltensmedizinische Orthopädie über das Thema aus Patientensicht diskutiert. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt!
Die Ergebnisse bestätigen zunächst die Relevanz aus Sicht der Beteiligten, zeigen aber zudem, dass dem Austausch hierzu – innerhalb und zwischen den Berufsgruppen sowie unter den Rehabilitanden – eine besondere Bedeutung zukommt. In der Berolina Klinik beobachteten die Teilnehmer, dass eine Vielzahl alltäglicher und scheinbar kleiner zwischenmenschlicher Interaktionen zusammen mit gezielten ressourcenorientierten Interventionen eine wechselseitig positive Wirkung entfalten kann.
Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung wurden durch Frau Dipl.-Psych. Andrea Christoffer auf dem 26. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2017 der Deutschen Rentenversicherung Bund in Frankfurt am Main präsentiert. Das Poster wurde in dem Poster-Wettbewerb unter insgesamt 35 Mitbewerbern mit dem zweiten Preis prämiert.
Im weiteren Studienverlauf werden auf Basis dieser Resultate Workshops zu ressourcenförderndem Arbeiten entwickelt und auf ihre Praxistauglichkeit überprüft. Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, Handlungsempfehlungen für die ressourcenorientierte Arbeit in der medizinischen Rehabilitation auszusprechen, die in Form eines Manuals für interne Mitarbeiterfortbildungen in Rehabilitationskliniken genutzt werden können.

 

Literatur
Christoffer A, Altenhöner T, Heuft G, Stock Gissendanner S, Hinrichs J (2017). InResPro – Integrative Resilienzförderung im Reha-Prozess: Entwicklung einer verhaltens- und verhältnisorientierten Intervention. 26. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: 20.03.-22.03.2017 in Frankfurt am Main. DRV-Schriften, Bd. 111, S. 161-163.

Autoren:  Prof. Dr. Thomas Altenhöner, Dipl.-Psych. Andrea Christoffer, Dr. Jens Hinrichs und Prof. Scott Stock Gissendanner


Korrespondenzadresse:
Andrea Christoffer, Dipl.-Psych.
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Münster
Domagkstraße 22, 48149 Münster
Tel.: (0251) 83 58250
Fax:  (0251) 83 52903
E-Mail: andrea.christofferDYXVKEJIukmuensterCZYWLFKJde