Zur Navigation - Zum Inhalt

Inhalt

Migräne- und Kopfschmerztherapie

Kopfschmerzen sind weltweit die dritthäufigste Ursache für gesundheitliche Beeinträchtigungen gemessen am Verlust von gesunden Lebensjahren.

Die Migräne ist weltweit die häufigste neurologische Erkrankung und laut WHO die zweithäufigste Erkrankung nach Depression, wenn man bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren in Ländern mit hohem Einkommen das behinderungsbereinigte Lebensjahr betrachtet.

Die Zusammenfassung der Global Burden of Disease Studie von der Weltgesundheitsorganisation, der Harvard School of Public Health und der Weltbank teilte 22 verschiedene Erkrankungen je nach Schweregrad der Behinderung in 7 Kategorien. Die schwere Migräne wurde mit aktiver Psychose, Demenz und Tetraplegie in der Kategorie 7 (schwerste Beeinträchtigung) eingeteilt. 

Die am häufigsten anzutreffenden Kopfschmerzen sind der Kopfschmerz vom Spannungstyp und die Migräne. Die Häufigkeit des episodischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp liegt bei ca. 60%, des chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp bei ca. 2 bis 3%. 

Die Migränehäufigkeit ist bei Frauen 12 bis 14%, bei Männern 6 bis 8 %.

Der übermäßige Gebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln kann ebenfalls Kopfschmerzen hervorrufen, nach Schätzungen leiden ca. 1 bis 2% der Bevölkerung unter einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. 

Die Migräne kommt vor allem im berufstätigen Alter sehr häufig vor, 30% der Arbeitnehmer leiden an durchschnittlich 36 Tagen im Jahr an Migräne. 

Die Migräne verursacht in Europa unter den neurologischen Erkrankungen nach Demenzerkrankungen die höchsten Kosten und mehr Kosten als Epilepsie und Morbus Parkinson zusammen. 

Nach einer Untersuchung von Prof. Neubauer von 2002 verursacht die Migräne in Deutschland vor allem indirekte Kosten mit 6,27 Milliarden Euro jährlich, im Sinne von Leistungseinschränkungen am Arbeitsplatz und Arbeitsunfähigkeitstagen.

Da das Verhältnis der direkten zu indirekten Kosten 1:13 ist, wird ersichtlich, dass von den Kosten am meisten die Arbeitgeber betroffen sind.

Damit wird ersichtlich, dass die Migräne ein ernsthaftes betriebsärztliches Problem ist. 

Zwischen Migräne und anderen Erkrankungen finden sich in epidemiologischen Studien Komorbiditäten, so z. B. bei Depression, Angsterkrankung, Schlaganfall und Epilepsie. Für Spannungskopfschmerzen und für die Migräne konnte eine häufige Komorbidität mit depressiven Störungen und Angststörungen belegt werden.

Bei Migräne funktioniert die Komorbidität in beiden Richtungen: „Migränepatienten weisen ein höheres Risiko auf, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken, umgekehrt zeigen aber auch psychiatrische Patienten mit Depression oder Angststörung ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Migräne“ (ibid.). 

Migräne ist viel mehr als nur Kopfschmerz. Übelkeit ist nach Kopfschmerzen eines der am stärksten beeinträchtigenden Symptome von Migräne und tritt bei ca. 80% der Migräniker auf. Betroffene mit häufiger (mindestens die Hälfte der Zeit) Übelkeit berichten signifikant häufiger über Kopfschmerzen und haben auch eine signifikant größere funktionelle Beeinträchtigung. Übelkeit und Erbrechen kann auch die Wirkung der Kopfschmerzmittel verzögern oder sogar verhindern. Betroffene mit häufiger Übelkeit berichteten laut der AMPP- Studie über signifikant größere Unzufriedenheit mit der medikamentösen Therapie, mehr Nebenwirkungen und die ambulanten Therapiekosten waren zweifach, die stationären achtfach so hoch im Vergleich zu Betroffenen mit seltener Übelkeit. 

Es liegen zahlreiche Studien zur Wirksamkeit nichtmedikamentöser Therapieverfahren bei chronischen Kopfschmerzen vor. Unter alleiniger Anwendung von progressiver Muskelentspannung werden in entsprechenden Analysen bei Migräne Besserungsraten von 30%, bei Biofeedback von 35% mitgeteilt, unter Kombination der beiden Verfahren nähern sich die Resultate der 50%-Marke. Analoges gilt auch für die Verhaltenstherapie. 

Bei der Verhaltenstherapie des chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp ergibt sich ein ähnliches Bild mit durchschnittlicher Besserungsrate von 40% bei Anwendung von progressiver Muskelentspannung, 45% Besserungsrate bei Biofeedback sowie 57% bei Kombination der beiden Methoden. 

Bei Migräne und chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp sind laut Amberger nachfolgend die wichtigsten Indikationen für eine stationäre Rehabilitation: 

Chronifizierung der Symptomatik  
Anhaltende Funktionsstörungen  
Chronische Fixierung auf die Schmerzsymptomatik  
Psychische Komorbidität  
Schwierigkeiten in der Krankheitsverarbeitung  
Deutliche Auswirkung des Leidens auf die berufliche Leistungsfähigkeit

Die Behandlung des Kopfschmerzes in der Berolina Klinik erfolgt in Anlehnung an gültigen Leitlinien (DGN, 2012). Die Leitlinien empfehlen einen multimodalen Ansatz, der medikamentöse und nicht medikamentöse Verfahren kombiniert. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren (KVT) sind empfohlen für Patienten, für die pharmakologische Verfahren kontraindiziert oder nicht effektiv sind, für Patienten mit außergewöhnlicher Stress-Exposition ohne Fähigkeit zur Stressbewältigung und für Patienten mit besonderer Einschränkung der Lebensqualität (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2012). 

Die Evidenz bietet Unterstützung für die Annahme, dass „die Migräne durch psychologische Strategien zur Modifikation der Lebensführung beeinflussbar“ ist. Vier Formen der Verhaltenstherapie erwiesen sich als besonders hilfreich (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2012): Entspannungstraining (z. B. die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson), Biofeedback-Training, kognitive Verhaltenstherapie bzw. Stressmanagement sowie eine Kombination von medizinischen und VT-Maßnahmen. 

Die aktuelle Leitlinie bestätigt wieder die bestehende Best-Praxis der multimodalen Therapie in der stationären medizinischen Rehabilitation. Als effektiv erweist sich für die meisten Patienten eine Kombination von medikamentösen Optionen mit Ausdauersport und verhaltenstherapeutischen Angeboten wie Schmerzbewältigung, Biofeedback, Entspannungstechniken und Stressmanagement. 

Unser interdisziplinäres Rehabilitationskonzept für Kopfschmerz- Patienten besteht aus folgenden Modulen:

Vermittlung eines Entspannungsverfahrens (progressive Muskelentspannung)  
Biofeedbacktherapie  
Verhaltenstherapie  
Walking, kombiniert mit Stretching  
Oberärztlich geleitete Kopfschmerzgruppe  
Sport- und Bewegungstherapie 

 


Weitere Informationen über Kopfschmerzen und über unserer Therapie finden Sie unter www.klinik-fuer-migraene.de und in unserem IREHA-Fachinformationsportal: