Zur Navigation - Zum Inhalt

Inhalt

25.07.2016 | Berolina Klinik | Veranstaltungen | IREHA | Veranstaltungen

Symposium 2016 "Stressassoziierte Erkrankungen und Stressmedizin in Prävention und Rehabilitation" – mit 9. Reha-Werkstatt/Arbeitsgruppen

Rückblick

Dr. med. D. Olbrich, Bad Salzuflen
U. Egner, Berlin
Prof. Dr. Dipl.-Psych. D. H. Hellhammer
Dr. A. Rose, Berlin
Th. Wegener, Bad Salzuflen
Dr. H.-P. Unger, Hamburg
Arbeitsgruppe
v.l. Dr. B. Muschalla, Berlin, Prof. Dr. G. Schmid-Ott
Dr. M. Streibelt, Berlin
Die Moderatoren und Organisatoren, v. l. Dr. D. Olbrich, U. Egner, Prof. Dr. G. Schmid-Ott

Am 30.06. und 01.07.2016 fand das diesjährige gemeinsame Symposium statt. Wie immer war es begleitet von der 9. Reha-Werkstatt mit praxisbezogenen Arbeitsgruppen und Workshops. Das Symposium stand thematisch ganz im Zeichen der Stressmedizin und stressassoziierter Erkrankungen. Hierzu leitete Herr Prof. Dr. Dirk H. Hellhammer aus Trier mit einem Eröffnungsvortrag ein. Er stellte Stress und stressassoziierte Erkrankungen dar, verbunden mit dem Ausblick auf die Entwicklung einer individualisierten „Präzisionsmedizin“. Anhand praktischer Fallbeispiele demonstrierte er, wie dies im Einzelfall konkret aussehen kann: Es wird eine Verbindung hergestellt zwischen subjektivem Erleben von Patienten, ihrer Lebensgeschichte und der biologischen Stressregulation. Er hat dies in seinem Diagnostiksystem Neuropattern™ für den ambulanten und klinischen Praxiseinsatz nutzbar gemacht. Im Anschluss referierte Frau Dr. Anne Rose von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin zur Bedeutung stressassoziierter Erkrankungen in der medizinischen Rehabilitation. Sie machte deutlich, dass stressassoziierte Erkrankungen in vielen Indikationsbereichen anzutreffen sind. Im Bereich der Psychoedukation gehören Informationen zu Stress, Stressbewältigung und Stressmanagement zu basalen Gesundheitsinformationen. Deutlich wurde auch, dass eine weitere Spezifizierung notwendig ist, um daraus dann gezielte Interventionen abzuleiten.

Es fanden dann insgesamt 8 Arbeitsgruppen statt, die alle praxisbezogene Themen behandelten. Frau Dr. Beate Muschalla aus Berlin moderierte eine Gruppe, in der sie das Krankheitsmodell der ICF und das Instrument des Mini-ICF vorstellte.  Herr Dr. Dieter Olbrich stellte in seiner Arbeitsgruppe das ZRM-Training im Präventionsprogramm GUSI vor – Tenor: Dem Stress gelassen begegnen. In 2 Arbeitsgruppen wurden konkrete Diagnostik und Behandlungsmethoden vorgestellt: Frau Dr. Renate Horres-Melsheimer aus Bad Salzuflen demonstrierte die Bestimmung der Herzratenvariabilität und die Anwendung des HRV-Biofeedbacks (Stresspilot). Herr Ulrich Conrady vom AVWF®-Zentrum in Blomberg berichtete über die von ihm entwickelte musikbasierte Intervention der Audiovisuellen Wahrnehmungsförderung (AVWF®). Für die Teilnehmer bestand die Möglichkeit des persönlichen Kennenlernens. Herr Dipl.-Psych. Stefan Schmädeke aus Bad Dürkheim beschäftigte sich in seiner Arbeitsgruppe mit neuen Medien in der psychosomatischen Rehabilitation. Er stellte konkret das von ihm entwickelte Projekt einer geplanten Depressions-Reha-Nachsorge mit Hilfe einer Smartphone-App (DEPRENA) vor. Erneut bewährte sich die Arbeitsgruppe von Herrn Dr. Burkhard Cicholas aus Bad Frankenhausen, in der die Praxis der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung von psychosomatischen Patienten vorgestellt und anhand konkreter Fallbeispiele geübt wurde. Herr Rolf Süllwold und Herr Prof. Schmid-Ott diskutierten in ihrer Arbeitsgruppe mit den Teilnehmern über die Vielfalt als Vorteil und stellten das Konzept der Diversity vor. Abgerundet wurden die Arbeitsgruppen durch Herrn Uwe Egner und Herrn Dr. Marco Streibelt von der DRV Bund in Berlin, die einen Ausblick auf Trends und Entwicklungen in der medizinischen Rehabilitation gaben. Es geht neben der Implementierung von Prävention und schon bestehenden Nachsorgekonzepten um eine weitere Flexibilisierung: es gilt, Bedarfe zu definieren und zu einer Bedarfsdifferenzierung in der medizinischen Rehabilitation zu kommen. Sie stellten hier die bisher gemachten Überlegungen zu Angeboten und Flexibilisierung dar, die durchaus kontrovers diskutiert wurden.

Den großen Abendvortrag hielt beim diesjährigen Symposium Herr Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt der Psychiatrischen Asklepios-Klinik in Hamburg-Harburg. Herr Dr. Unger hat im vergangenen Jahr eine sehr interessante Buchpublikation mit dem Titel „Das hält keiner bis zur Rente durch! Damit Arbeit nicht krank macht: Erkenntnisse aus der Stressmedizin.“ publiziert. In seinem umfassenden Vortrag, der sich intensiv mit der Reflexion des Burn-out-Begriffes beschäftigte, zeigte er auf, wie notwendig ausreichende Puffer für den Einzelnen, aber auch für Systeme und Organisationen sind. Nur so ist es möglich, sich dringend notwendige zeitliche Inseln im Alltag zu schaffen und zu erhalten, die Menschen dabei helfen, dass Arbeit und Stress nicht krank machen.
Ein arbeitsreicher und intensiver erster Tag klang aus bei einem gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Beisammensein, das von allen sehr genossen wurde.
Der zweite Tag begann mit den Arbeitsgruppen, die fortgeführt wurden. Es schlossen sich dann noch 3 Vorträge an, die die Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten: Frau Dr. Muschalla berichtete über die Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Frage, inwieweit eher über die Arbeit sprechen oder eher Entspannung nützlich dafür ist, in den Job zurückzukehren. Die klare Antwort: über die Arbeit, den Arbeitsplatz und die Arbeitsplatzsituation zu sprechen, ist in jedem Falle besser als das Thema zu vermeiden. Am besten geschieht dies im Rahmen von Gruppenangeboten und frühzeitig in der Rehabilitation. Herr Dr. Streibelt aus Berlin stellte schließlich vor, welche Interventionen Evidenz aus internationaler Perspektive haben, wenn es um die Frage geht, was Menschen dabei hilft, zurück an die Arbeit zu kommen. Deutlich hob er die Bedeutung aktiver Maßnahmen hervor.
Schließlich stellte Herr Dr. Olbrich aus Bad Salzuflen aus der Praxis der Stressmedizin die Effekte einer musikbasierten Intervention vor. Seit 2013 wird die Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung nach Conrady bei Rehabilitanden mit chronischem Stress eingesetzt. Es zeigte sich, dass nicht nur das subjektive Befinden der Patienten zu verbessern ist, sondern, dass auch die biologischen Stressregulationssysteme in ihrer Funktionsfähigkeit normalisiert werden.
Wie in jedem Jahr wurde abschließend aus den Arbeitsgruppen berichtet. Bei einem gemeinsamen Imbiss fand schließlich die ganz persönliche Verabschiedung statt. Insgesamt wieder ein gelungenes Symposium, das in einer entspannten Atmosphäre viel Gelegenheit zum fachlichen, aber auch persönlichen Austausch bot.